Amazonien

Amazonien

"Music making is an important endeavor in many native South American societies. It is quite possible that there are places and times when music is the chosen mode for many social processes", schrieb Anthony Seeger 1987. Diese Orte und Zeitpunkte oder Zeiträume zu finden, zu dokumentieren, gemeinsam mit lokalen Gewährsleuten zu analysieren und
zu interpretieren ist Forschungsschwerpunkt von Bernd Brabec de Mori.
Er konzentriert sich dabei auf die westamazonischen indianischen Gruppen im Ucayali-Tal des peruanischen Tieflandes.

[Foto links: Jan Brabec, 2004.]

Dabei geht es einerseits um "safeguarding", angeregt von der indigenen Bevölkerung, die um die Erhaltung ihrer Traditionen fürchtet, und andererseits um die ethnomusikologische und sozialanthropologische Analyse der Rolle von Musik in sozialen Prozessen: Musik auf Festen, Liebes- und Trinklieder, Kriegs- und Jagdtänze und weiters die Musik in magischen Beschwörungen und Ritualen. Vor allem in letzterem Genre wird evident, dass Seegers "social processes" über die (im westlichen Denken üblichen) Grenzen des menschlichen hinausgeschoben werden müssen, denn die magische Praxis von Heilung und Hexerei in Amazonien basiert besonders auf musikalischer Kommunikation mit Tieren, Pflanzen, Ahnengeistern und Dämonen - jene verstehen die menschliche Sprache, wenn sie durch Singen überformalisiert wurde. Die Rolle von Musik in solchen animistischen Weltbildern (Ontologien) erstreckt sich weit über Amazonien hinaus und wird in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen mit entsprechender Expertise auch in Gegenden wie Nordamerika, Afrika, Asien und Europa behandelt.