2. Juni 2014 Musikalischer Ausdruck von "Trauer" in Liedtexten des Tango Argentino

2. Juni 2014 Musikalischer Ausdruck von "Trauer" in Liedtexten des Tango Argentino

erstellt am 23. April 2014

Gastvortrag Dr.in des. Sabine Zubarik (Erfurt), 10:00 Uhr, Reiterkaserne, Raum 150, in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Kulturwissenschaften der KF

Gime, bandoneón, tu tango gris /
Seufze, Bandoneon, deinen düsteren Tango


Im Argentinischen Tango ist Trauer, das zeigen schon die frühen Liedtexte und musikalischen Aufnahmen, ein konstitutiver Aspekt des emotionalen Ausdrucks. Die zentralen Themen kreisen um zurückgelassene Orte, verlorene Familienmitglieder oder zerbrochene Liebesbeziehungen. Die Expression der Trauer im Gesang, im Spielen des Bandoneons oder im Tanz kann sowohl als je individuelle Strategie der Substitution und des Trosts, aber auch als kollektive kulturelle Praxis der zelebrierenden Erinnerung an Verlustmomente und der Identitätsstiftung durch gemeinsame Trauererfahrung verstanden werden. Der Vortrag möchte in einem ersten Schritt der Entwicklung von der fröhlichen, stolzen Milonga hin zum „depressiven“ Tango nachgehen und untersucht dann an ausgewählten Liedtexten die Szenarien von Nostalgie, Verlust und Lament. Insbesondere ist von Interesse, wie in den Texten davon die Rede ist, dass Trauer erst durch die Stimme oder das Instrument einen adäquaten Klang-Körper erhält. Das Bandoneon, das selbstreflexiv in vielen Tangos als Stellvertreter der menschlichen Klage schlechthin thematisiert wird, dient dabei als Beispiel. Ebenso soll gezeigt werden, inwiefern Liedtext und musikalische Umsetzung mitunter oppositionale Stimmungslagen vorschlagen und, statt mediale Ergänzungs- oder Übersetzungsarbeit zu leisten, eher Widerspruch erzeugen.
Betrachtet man als dritten wichtigen Aspekt des Tango Argentino zusätzlich die Tanzpraxis, dann fällt auf, dass der Tango Argentino als Gesellschaftstanz seit zwei Jahrzehnten weltweit populärer denn je ist. Wenn auch die Musik und der Tanz ihre Formen und Ausdrucksweisen mit den jüngeren Generationen verändert haben, steht der Topos von Sehnsucht und Trauer nach wie vor lebendig im Mittelpunkt. Daher soll abschließend danach gefragt werden, warum Vertreter/innen unterschiedlicher sozialer Klassen, Länder und Lebenshintergründe eine kulturelle Praxis genießen, die auf einem Konglomerat von Gefühlen basiert, die im Alltag negative Konnotationen besitzen, und was Tangomusik und -lyrics im Unterschied zu anderen Musik- und Tanzformen heute bieten können.


Sabine Zubarik promovierte an der Universität Erfurt in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft zu Strategien der Fußnote in literarischen Texten. Sie forschte von 2009-2011 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin zum Tango Argentino, organisierte die Tagung „Tango in der Literatur(wissenschaft)“, seit 2009 auch das jährliche TangoLehrerTreffen und ist praktizierende Tangolehrerin und DJ. Nach zweijähriger Lehrtätigkeit am Institut für Romanistik an der FAU Erlangen leitet sie derzeit an der Universität Erfurt ein DFG-Projekt zu Konzepten der Gleichzeitigkeit im gegenwärtigen Roman und Film.



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